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Wir sind noch einmal davongekommen
Leute von hier und anderswo
Premiere 10. März 2017
Theater an der Rott (D)

frei nach Thornton Wilder

Regie: Josef Maria Krasanovsky
Dramaturgie: Fiona Ebner
Bühne und Kostüme: Lisa Horvath
Regieassistenz: Sebastian Kamm
Besetzung: Alexander Mitterer,
Julia Ribbeck,
Nadine Breitfuß,
Burak Uzuncimen,
Jackie Krapf
und 28 BürgerInnen und AsylwerberInnen aus
dem Landkreis Rottal-Inn und darüber hinaus

Preisträger des Niederbayrischen Integrationspreises
Fotos: Sebastian Hoffmann / Lisa Horvath
Über das Stück:
Mitten im August ist es kälter als im Januar. Die Temperaturen fallen seit Wochen unter Null und ein Wall aus Eis schiebt sich von Norden her auf das Haus der Familie Antrobus in New Jersey zu. Die Familie, das sind Mr Antrobus, Mrs Antrobus, ihre Kinder Henry und Gladys, 
und ihr Dienstmädchen Sabina. 
Befinden sie sich im Heute oder in der Steinzeit? Ist Henry wirklich ein ganz normaler anständiger amerikanischer Junge- oder doch Kain, der seinen Bruder erschlug? Sicher ist hingegen – ihnen gehen langsam Holz und Nahrung aus, und als dann auch noch Fremde vor ihrer Tür stehen, die um einen Platz an ihrer Feuerstelle bitten stehen sie vor einer folgenschweren Entscheidung.

Mit der Pause zum zweiten Akt vergehen Jahrtausende. 
Wir befinden uns nun in einer Welt, in der die Familie den sozialen Aufstieg geschafft hat und Mr Antrobus gerade seine Ernennung zum Präsidenten feiert. Es herrscht Sodom und Gomorra, schöner Schein und Glitter, während es unter der Fassade zu bröckeln beginnt. Journalisten bedrängen die Familie, die Kinder emanzipieren sich auf ihre ganz eigene Art und auch das Dienstmädchen Sabina treibt ihren Aufstieg mit Kalkül und Raffinesse voran. Eine Wahrsagerin sieht, was kommen wird: Ein Sturm zieht auf. Sehenden Auges rennt eine Gesellschaft ins Verderben, die einfach nicht mehr aufhören kann es „krachen“ zu lassen, auch wenn die Zeichen von Anfang an auf „Sintflut“ stehen.
"Wir sind noch einmal davongekommen“ präsentiert in einem irren Nebeneinander von Tragödie und Komödie den Menschen in seiner ganzen Pracht: Mit seinen Höhen und Tiefen, Abgründen und Höhenflügen. Er macht seit Jahrtausenden immer wieder dieselben Fehler. Er lebt, liebt, isst, vermehrt sich und manchmal tötet er auch.

Über die Inszenierung:
Die Inszenierung für das Theater an der Rott konzentriert sich auf den Ersten und Zweiten Akt des Stückes. Teile des Dritten Aktes wurden in unsere Fassung mit eingeflochten. Thornton Wilder brach in seinen Stücken mit den Theaterkonventionen, vor allem lehnte er Naturalismus auf der Bühne ab - was die Inszenierung sehr konsequent ebenso zu vermeiden versucht. Wir laden Sie dazu ein, Ihre Phantasie spielen zu lassen und sich Ihren eigenen Reim auf das zu machen, was Sie heute Abend erleben. Lisa Horvath hat einen abstrakten Raum entworfen, dessen Wände an Lattenzäune erinnern, die ein Innen und ein Außen definiert und durchbrochen werden können. Glitzer und Glamour, schöner Schein und Fassade bestimmen den zweiten Teil des Abends. Wilders Stück hebelt die Grenzen von Zeit und Raum, Psychologie und Logik aus und präsentiert Figuren, die im irren Tempo zwischen Komödie und Tragödie hin und her wechseln, was die Inszenierung für das Theater an der Rott ganz im Sinne des Autors für das Jahr 2017 weiterführt.

Wenn es nicht streichelt, sondern sticht
Das Theater jongliert mit Wahrheit und Fiktion, mit Poesie und Schock. In unserem Zauberkoffer liegt eine Ampulle Herzblut, ein weit geöffnetes Glasauge, eine weiße Taube, ein Plastikgewehr das aussieht wie echt und ein niemals schweigender Mund gebettet auf Tüchern aus Licht. Wir haben Ihnen etwas gestrickt und gebacken in den letzten Wochen, weil uns etwas daran liegt, weil wir wollen dass Sie – ja genau Sie! - das sehen, hören und erleben. Wenn Sie an diesem Abend Schmerz empfinden, dann spüren Sie den, der schon hundertfach durch uns hindurchgegangen ist, den wir behutsam in der Hand gewogen haben und uns dann entschieden haben, dass genau dieser Schmerz wichtig ist, und dass er gehört und gesehen werden sollte. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Texte: Fiona Ebner